Rente mit 70 …?

Bild: Johannes Ross (via unsplash.com)

Wieder nur gute Ideen aus Berlin: Jetzt also die »Rente mit 70«... Diese Diskussion ist geradezu symptomatisch für eine Regierung, die Fakten ignoriert, statt sozialpolitische Verantwortung zu übernehmen.

So plant eine Rentenkommission offenbar »massive finanzielle Anreize«, um Menschen bis 70 arbeiten zu lassen, während zugleich die Realität jede vermeintliche »Belohnung« in ihr Gegenteil verkehrt: Deutschland hat mit Abstand die älteste Erwerbsbevölkerung in der EU -> mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an 55+ Jährigen und einem Renteneintrittsalter von durchschnittlich knapp 65 Jahren, welches durch eine Anhebung nach oben verschoben wird.

Deutschlands Rentensystem fällt im EU-Vergleich nicht durch Großzügigkeit oder Respekt vor den Alten auf, sondern durch Belastung. Deutschland macht vor allem durch eine enorme Steuerbelastung von sich reden; als Belohnung liegen die Rentenniveaus deutlich unter denen vieler EU-Mitgliedsstaaten. Glücklich kann sich schätzen, wer mehr als die Hälfte des ursprüngliche Nettolohns als Rente erhält. Ein irres System.

Während andere Staaten finanzierbare Wege zur Sicherung eines würdigen Lebensabends suchen (und finden), soll hierzulande der Sozialstaat dadurch entlastet werden, dass Steuerzahler sich noch länger abschuften dürfen. Dieser Plan verlagert die Last auf die jüngeren Generationen, die eh schon mit aus dem Ruder laufenden Abgaben zu kämpfen haben, statt nachhaltige Reformen anzugehen.

Wir sehen: Eine Forderung nach einer Rente mit 70 ist kein Mut zur Zukunft, sondern ein sozialpolitischer Offenbarungseid. Jeder vernünftige Vergleich zeigt: Wir kippen in ein System, in dem länger Arbeiten nicht automatisch mehr Lebensqualität oder eine sichere Altersversorgung verspricht – sondern nur mehr Risiko für alle, die kein privates Vermögen aufgebaut haben.

Dabei ist ein würdevolles Leben im Alter möglich, ohne sich ins Grab arbeiten zu müssen. Allein der politische Wille fehlt.

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