»Brandmauer im Kleinen« – Mein Gastbeitrag in der OAZ

Screenshot: OAZ

Vor einigen Wochen veröffentlichte ich einen Essay zu Sinn und Unsinn der Brandmauer. Nun war die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung so freundlich, einen »Nachfolger« zu publizieren: Die Brandmauer im Kleinen, und wie sie sich bis ins Private hineinfrisst.

Ein Ausschnitt aus meinem Gastbeitrag:

»Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz bringt es mit einem Satz auf den Punkt: „Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen gebracht.“ Was nach „Der Pate Teil 2“ klingt, läuft in der bundesrepublikanischen Realität „sanfter“ ab.

Niemand wird gefesselt in der Elbe ertränkt, man wird allerdings nicht mehr zu Gesprächen eingeladen, auf E-Mails wird nicht mehr reagiert, Anrufe weggedrückt, auf den Parlamentsfluren kassiert man konsternierte Blicke, in vielen Teilen der Presse werden einem die dollsten Sachen vorgeworfen; es wird „über“ einen geredet, nicht „mit“ einem.


Das Perfide dabei ist, dass sich diese Brandmauer zunehmend auch ins Private hineinzieht. Ich erlebe selbst, wie langjährige Bekannte und Freunde plötzlich anders mit mir umgehen, Distanz suchen oder meinen, mich wegen politischer Positionen des BSW – etwa zum Verhältnis zu Russland – belehren zu müssen. Unterschiedliche Meinungen gehören für mich selbstverständlich dazu.

Problematisch wird es dort, wo die eigene Haltung nicht mehr als eine von mehreren möglichen Sichtweisen verstanden wird und die Bereitschaft zur Toleranz gegenüber anderen Positionen verloren geht. Ich gebe es offen zu: Da wird einem anders. Es beschleicht einem das Gefühl, dass die sozialen Daumenschrauben angezogen werden, das Wissen um die Angst vor zwischenmenschlicher Isolation wird gezielt eingesetzt. Was, wenn meine Angehörigen auch mit hineingezogen werden?

Und plötzlich klingt mir der agitatorische Refrain des Oktoberklubs in den Ohren: „Sag mir, wo du stehst…!“

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